Pferdephysiotherapie und Selbstheilungskraft des Pferdes

Mit dem Thema Selbstheilungskraft des Pferdes haben sich sicherlich die Wenigsten von euch bislang beschäftigt. Das Thema Selbstheilungskraft und körperliche Balance wird oftmals unterschätzt und gerne auch in die esoterische Ecke gedrängt. Dabei gehört es dort nicht zwingend hin.

Wird ein Pferd physiotherapeutisch oder osteotherapeutisch behandelt, dann ist Ziel dieser Behandlung natürlich dem Körper zu helfen. Die Therapie erfolgt abgestimmt auf das jeweilige Problem des Patienten.

So kann ich zum Beispiel mit Hilfe von Mobilisation sanft die Blockaden lösen, die ich bei der Anamnese vorab festgestellt habe. Doch auch wenn ich im Rahmen meiner Therapie punktuell auf den Pferdekörper einwirke, so helfe ich dem Pferd im Ganzen seine körperliche Balance wieder herzustellen. Ich helfe ihm, sich selbst zu helfen.

 

Denn, der Organismus des Pferdes ist darauf ausgelegt, sich selbst zu regenerieren. Nach dem Erkennen und Beseitigen störender Faktoren, passt sich das Pferd den neuen Gegebenheiten an. Falsche Bewegungsmuster werden aufgegeben und der physiologische Bewegungsablauf wieder hergestellt. Gebe ich also dem Pferdekörper den richtigen Impuls, so schafft das Tier es, sich selbst zu heilen.

Diese "körpereigene Intelligenz" haben uns die Tiere voraus. Denn oft reicht bei einem Pferd eine Behandlung aus, um eine Heilung auf Dauer herbeizuführen. Wir Menschen besitzen diese "körpereigene Intelligenz" leider nur in einem - im Vergleich zum Pferd - begrenzten Rahmen. Wir müssen meist nach einer therapeutischen Behandlung den physiologischen Bewegungsablauf wieder neu erlernen (und fallen auch gerne in alte Verhaltensmuster zurück), wohingegen das Pferd ihn in der Regel als selbstverständlich wieder annimmt.

Je länger die Bewegungsstörung aber bestand, um so schwieriger ist es auch für das Pferd sich aus eigener Kraft zu regenerieren. Denn das Pferd besitzt die Fähigkeit Einschränkungen am Bewegungsapperat anderweitig zu kompensieren. Man spricht hierbei auch vom Pferd als "Bewegungskünstler". Übernehmen jedoch z.B. Muskeln oder Sehnen Arbeit für die sie eigentlich nicht geschaffen sind, so entstehen weitere Einschränkungen die wiederum kompensiert werden müssen. Dieser Gedanke läst sich endlos fortführen. Aber genau diese Kette gilt es zu unterbrechen, damit keine Erkrankungen wie beispielsweise Arthrose oder Sehnenverletzungen entstehen.

Es macht also einen Unterschied, ob dein Pferd Jahre, mehrere Monate oder gerade einmal zwei Wochen mit einer Muskelverspannung und einer Blockade herumläuft.

Der Faktor Zeit ist für die Selbstheilung des Pferdes sehr wichtig.

Der Körper des Tieres braucht ebenfalls seine Zeit, um die Behandlung zu verarbeiten. Nicht umsonst weise ich den Pferdebesitzer im Rahmen der Behandlung darauf hin, dass das Pferd möglichst 48 Stunden nicht geritten oder longiert werden sollte, sondern sich vielmehr frei auf Paddock oder Wiese bewegen können sollte. Meist dauert die Anpassung des Körpers sogar noch länger.

Während der Behandlung kann es auch sein, dass nicht alle "Probleme" behandelt werden können. Das Pferd sagt mir in der Regel wann es Zeit ist, zu einem Ende zu kommen. Schließlich muss es die Behandlung selbst überhaupt aufarbeiten können.

 

Ebenso ist es während einer Behandlung wichtig, dass ein wenig Platz vorhanden ist. Das Pferd darf sich gerne ein/zwei Schritte bewegen, da es instinktiv weiß, welche Bewegung seinem Organismus gut tut. Und Ziel meiner Behandlung ist es schließlich, den physiologischen Bewegungsablauf wieder herzustellen. Wenn mir das Tier hilft, umso besser. Ihr Instinkt hilft den Tieren ihre körperliche Balance selbst wieder herzustellen. Der Therapeut ist dabei lediglich ein Werkzeug.

Da jeder Impuls durch den behandelnden Therapeuten im Pferdekörper ankommt, bedeutet dies aber natürlich auch, dass jeder Handgriff eine Reaktion auslöst. Das heißt, dass jeder Test der durchgeführt wird, auch gleichzeitig schon eine Behandlung ist.

Ihr seht, zur Behandlung zählt noch so viel mehr als man im ersten Moment denkt. Die Mitarbeit des Pferdes gehört in jeder Hinsicht dazu. Sei es indem es die Behandlung zulässt, oder aber eben auch durch instinktives Verhalten.

 

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