Mach mal ne Pause

Dem Pferd einfach mal einen Tag frei gönnen. Macht ihr das? Und wenn ja, wie macht ihr das? Hat euer Pferd dann nur eine Reitpause und ihr longiert, macht Bodenarbeit oder geht spazieren? Oder darf euer Pferd sich alleine frei bewegen? Geht es nur auf Paddock und Wiese?

 

Meine persönliche Interpretation von "mein Pferd hat frei":

 

Für mich persönlich heißt frei auch wirklich frei. Das heißt, mein Pferd kommt auf die Wiese und darf Pferd sein. Zugegeben, es ist öfters einfach nur auf der Wiese oder darf sich anderweitig frei bewegen. Aber ich bin davon überzeugt, dass frei zu haben, für das Pferd auch bedeuten sollte, den Kopf frei zu haben.

Denn, für die Leistungsbereitschaft und auch die Leistungsfähigkeit ist die Psyche neben der körperlichen Konstitution ein wichtiger Faktor für die Fitness eures Pferdes.

Einige von euch werden zu meinen Eingangs gestellten Fragen sich möglicherweise dies denken:

"An meinem Tag Pause wird das Pferd longiert" oder "Ich habe Turnier. Ich muss trainieren. Ganze Tage ohne Training kann ich mir nicht leisten"  oder "Das Pferd muss doch bewegt werden."

 

Dem Grundgedanken - mein Pferd braucht Training - kann ich dabei nur zustimmen.

Aber man sollte es nicht übertreiben. Weder zu viel frei, noch zu viel mit dem Pferd arbeiten, ist für das Training mit dem Pferd gut. Und das hat seinen Grund. So lehrte bereits Andrew Taylor Still:

 

"Alles Leben ist Bewegung. Dort wo Bewegung gestört ist, beginnt Krankheit."

 

Ziel des Trainings mit dem Pferd ist unter anderem ein Zuwachs an Muskelmasse. Denn jede Bewegung des Pferdekörpers kann nur durch die Tätigkeit seiner Muskeln, also die Zusammenarbeit mehrerer Muskelgruppen, stattfinden. So kann z.B. durch eine kräftige Hinterhandmuskulatur das Pferd mehr Schubkraft nach vorne entwickeln.

 

Wird die Muskulatur aber zu stark beansprucht, kann dies zu Muskelverletzungen oder gar zu Muskelfaserrissen führen. Zu hohe Trainingsbelastungen - d.h. zu intensiv und in zu kurzen Abständen - führen zur Überforderung bzw. Übermüdung des Muskels. Es entstehen Anhäufungen von Stoffwechselschlacken (Abbauprodukte des Stoffwechsels), die nicht schnell genug vom Blut wieder abtransportiert werden können. Es entsteht eine Übersäuerung und dies kann letztendlich zum Zerreißen einzelner Muskelfasern führen.

Denken wir diesen Gedanken weiter, so ist die weitere Folge, dass das Pferd lahmen wird. Und das möchte keiner von uns.

Umgekehrt halte ich aber auch nichts davon, ein Pferd einmal die Woche zu reiten und es dann wieder den Rest der Woche nur auf die Wiese zu stellen, ohne ein anderes Training (wie z.B. Longieren). Denn auf die Art und Weise hat das Pferd kaum eine Möglichkeit genug Muskulatur zu entwickeln, um das Reitergewicht zu tragen. Vielmehr ist so etwas schädlich für den gesamten Bewegungsapperat. Denn dort wo eine Muskelgruppe nicht mehr kann, springt eine andere Muskelgruppe ein, obwohl dies eigentlich nicht ihre Aufgabe ist. Das Pferd versucht seine Schwächen zu kompensieren. Aber diese Krücke wird auf Dauer nur zu weiteren Problemen am Bewegungsapperat führen. Und wie soll das überhaupt funktionieren, wenn der gesamte Pferdekörper untrainiert ist? Das Reiten wird zur Belastungsprobe für das Pferd und Spaß hat wohl nur der Reiter.

Mein Fazit ist daher für mich die goldene Mitte. Gebt eurem Pferd wohldosierte Ruhepausen. Denn jeder Sportler benötigt Erholungsphasen, damit die Belastung nicht zur Überbelastung und somit zur Überforderung wird. Wie diese Pause aussieht, bleibt letztlich euch selbst überlassen.

 

Wie denkt ihr darüber? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

Love your horse

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