Warum dein Pferd im Stehen dösen kann, ohne umzufallen

 Pferde sind nicht nur erstaunliche Bewegungskünstler, im Gegenteil, sie können auch über einen langen Zeitraum ermüdungsfrei stehen und dabei sogar dösen. Dabei stehen sie in der Regel mit einem Hinterbein plan auf der Erde, mit dem anderen Hinterbein auf der Zehe (das sogenannte Ruhen/Schildern).

Was für uns Menschen auf Dauer ermüdend und anstrengend ist – und schlafend gar undenkbar – ist für das Pferd das Natürlichste auf der Welt. Schließlich muss es als Fluchttier jederzeit in der Lage sein, die Biege zu machen (z.B. wenn der Mensch zum Reiten vorbeikommt).

Aber wie kann es sein, dass es nicht einfach umfällt? Hier hat sich die Natur etwas wirklich Geniales ausgedacht, nämlich eine passive Stehvorrichtung.

Eines der wichtigsten Elemente ist dabei der sogenannte Spannsägenmechanismus.

 

Bei einer Spannsäge ist das Sägeblatt zwischen zwei langen Holmen eingespannt. In der Mitte stabilisiert ein Steg die Säge, während oben parallel ein gespannter Draht verläuft.

Und ungefähr so, kannst du dir den Bereich zwischen Knie und Sprunggelenk vorstellen.

 

 


Im Wesentlichen besagt der Spannsägenmechanismus, dass Kniegelenk und Sprunggelenk, ähnlich wie bei einer Spannsäge, funktionell gekoppelt sind.

Das bedeutet, dass keines der beiden Gelenke bewegt werden kann, ohne dass auch das andere Gelenk bewegt wird:

 

  • Beugung des Knies → Beugung des Sprunggelenks
  • Streckung des Knies → Streckung des Sprunggelenks
  • Fixierung des Knies → Fixierung des Sprunggelenks

Und das passiert, wenn dein Pferd ruht:

Von der Kniescheibe verlaufen einige Bänder zum oberen Ende des Schienbeins. Mit der Kniescheibe zusammen bilden das mediale Kniescheibenband und das mittlere Kniescheibenband (lig. patellae mediale und intermediale) eine Art Schlaufe.

 

Ruht das Pferd nun mit einer Hintergliedmaße, rotiert die Kniescheibe des anderen (fest auf der Erde stehenden) Hinterbeins zur Körpermitte hin. Das zur Körpermitte hin liegende Kniescheibenband (lig. patellae mediale) rutscht nach hinten auf den medialen Rollkamm des Oberschenkels (tuberculum trochleae ossis femoris) und fixiert dadurch das Kniegelenk.

 

Fixierung des Knies → Fixierung des Sprunggelenks

 

Auf Grund des Spannsägenmechanismus sind damit sowohl Knie- als auch Sprunggelenk arretiert und gemeinsam mit dem Halteapparat der Zehen kann das Pferd dann ohne große Muskelkraft stehen.

Wenn du dein Pferd also demnächst mal wieder im Stehen mit geschlossenen Augen beim chillen erwischst, weißt du jetzt, wie das Ganze funktioniert.


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Kommentare: 1
  • #1

    Daniela Piljic (Freitag, 28 April 2017 23:31)

    Schön formuliert :-)